Ein Blick in die jüdische Geschichte der Stadt Fürth

Ein Blick in die jüdische Geschichte der Stadt Fürth

Die Stadt Fürth feiert im Jahr 2007 ihr 1000-jähriges Gründungsjubiläum. Dies ist auch ein Anlass, sich ihrer besonderen Geschichte zu besinnen: Seit dem Mittelalter lebten zahlreiche Juden in der Stadt, prägten und bereicherten das kulturelle und soziale Leben nachhaltig. Fürth wurde einmal als das "Fränkische Jerusalem" bezeichnet. Viele jüdische Stiftungen trugen zum Wohl der Stadt bei es entstanden ein Krankenhaus, ein Entbindungshaus, eine Volksbücherei und viele soziale Einrichtungen. Vor 65 Jahren wurden die Juden aus Fürth wie aus allen deutschen und vielen europäischen Städten deportiert und ermordet - in Fürth ist ihre Geschichte vielerorts noch spürbar gegenwärtig.

 

Auch das 1902 erbaute Stadttheater wurde zu erheblichen Teilen aus privaten Spenden jüdischer Mitbürger finanziert, wurde von ihnen geliebt und als kulturelles Zuhause empfunden. Sie trugen dazu bei, das Theater in der Stadt und bei ihren Bürgern zu verwurzeln - diese liebevolle Verankerung wirkt bis heute.

Das jüdische Waisenhaus in Fürth

Das israelitische Waisenhaus in der Julienstraße war das älteste jüdische Waisenhaus in Deutschland. In ihm lebten bis März 1942 bis zu 40 Kinder gemeinsam mit ihren Betreuern, mit dem Direktor Dr. Isaak Hallemann, seiner Frau Klara und seinen Töchtern Eva und Beate-Esther. Obgleich Dr. Hallemann wusste, was auf ihn und seine Waisenkinder zukommen würde, und obgleich er selbst die Möglichkeit zur Flucht gehabt hätte und auch einige seiner Schützlinge, darunter zwei eigene Kinder, außer Landes bringen konnte, haben seine Frau und er sich der Verantwortung für ihre Waisenkinder nicht entzogen und sind geblieben, bis sie am 22. März 1942 von den Nazis deportiert wurden.

 

Die Deportationslisten dieses Tages enthalten die Namen von 12 Kindern - überliefert ist jedoch, dass 33 Kinder ermordet wurden. Trotz intensiver Recherche gelang es nicht, alle 33 Namen zu ermitteln, ja es bleibt letztlich ungewiss, ob es wirklich 33 Kinder waren.

 

Angesichts der unvorstellbaren Zahl ermordeter Juden mag es unerheblich scheinen, wie viele Waisenkinder aus Fürth deportiert wurden - und doch geht es darum, den Ermordeten Namen und Gesicht zu geben. Wenn es anhand der Akten und Archivmaterialien auch nicht mehr gelingen kann, so möchte dieses Tanzprojekt doch an jedes einzelne Kind, ob bekannt oder namenlos, auf individuelle Weise erinnern.