Von der Gebäudereinigung auf die Theaterbühne

Von der Gebäudereinigung auf die Theaterbühne

Die Dorfner-Gruppe geht ungewöhnliche Wege in der Ausbildung

Bilden heißt "sich bilden", "sich ausbilden", bedeutet einer Materie, einem Ding oder eben sich selbst eine Form zu geben, einem Potential die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten.

Was zunächst sehr theoretisch klingt, wurde in einem sechsstündigen Workshop, den Nürnberger Auszubildende der Dorfner Gruppe mit dem Theaterpädagogen des Stadttheaters Fürth absolvierten, zur erlebten Praxis. Die meisten von ihnen kamen überhaupt das erste Mal mit Theater in Berührung, alle spielten das erste Mal selbst Theater.

 

Warum das alles? Warum sollen angehende Gebäudereiniger Theater spielen? Näher betrachtet haben bei Theater und Schauspiel Fähigkeiten zentrale Bedeutung, die auch für unser alltägliches Miteinander in Beruf und im Kontakt mit Menschen von großer Wichtigkeit sind:

Wachsamkeit gehört dazu. Für sich selbst, für die Mitspieler oder Mitmenschen, für die umgebenden Räume und Atmosphären und für alles gleichzeitig. Eigene Ideen werden in der Improvisation entwickelt und Hemmungen abgebaut. Junge Menschen lernen, sich zu zeigen. Geschäftsleiter Holger Lösch, der auch für die gewerbliche Ausbildung zuständig ist, weiß, dass diese Fähigkeiten in seiner Branche besonders wichtig sind: "Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen, intensive Kundenkontakte, die Kommunikation mit Mitarbeitern und der ständige Umgang mit Menschen sind für uns selbstverständlich", so Holger Lösch. "Die soziale Kompetenz unserer Mitarbeiter ist daher wichtig für den beruflichen Alltag."

Mit der Schulung dieser kommunikativen Fähigkeiten möchte Dorfner frühzeitig beginnen und betrat deshalb mit dem Theater-Seminar Neuland in der Ausbildung seiner Gebäudereiniger. Theaterpädagogische Maßnahmen helfen, eben jene Fähigkeiten zu trainieren und den Transfer auf alltägliche Situationen zu leisten. Zu der Theatervorstellung "Heimweh & Verbrechen", die die Teilnehmer am Abend gemeinsam besuchten, stimmten sie sich kreativ auf Themen, Figuren und die Atmosphäre des Stücks ein, theatrale Bewegungs- und Rollenspiele halfen, die Umwelt bewusster wahrzunehmen, auf andere einzugehen, Gestik und Mimik der Mitmenschen besser einzuschätzen. "Koordinationsübungen mit einem Spielpartner oder in der ganzen Gruppe sensibilisieren für die Körpersprache anderer Menschen und fördern ein erfolgreiches Miteinander", erklärt der Theaterpädagoge des Stadttheaters Johannes Beissel. "Daraus können die Auszubildenden Impulse für ihren beruflichen Alltag mitnehmen." Spiel und Theater produzieren Bewegung, inszenieren Lebenswelten, fördern Einsichten in fremde und eigene Potentiale, mischen sich ein und ermöglichen so - wie eingangs angeschnitten - Bildung. In einem Theaterworkshop bleibt es eben nicht beim Lesen, Zuhören, Zuschauen. Inhalte der Inszenierung wurden gespielt, gelebt, erfahren, Erreichtes wird auf die Bühne gestellt, von anderen betrachtet und in einer fairen, wachstumsorientierten Form besprochen.

 

Alle Teilnehmer waren von den Trainingseinheiten und Spielsituationen begeistert.

Für Holger Lösch, der selbst aktiv am Theatertag teilnahm, war die Veranstaltung ein gelungenes Experiment: "Für unsere Azubis bedeutete der Workshop eine außergewöhnliche Erfahrung. Die Übungen und Rollenspiele haben neue Wege aufgezeigt. Was mich persönlich sehr beeindruckt hat, war das hohe Maß Zielorientierung des gesamten Workshops. Das führt dann auch zu sichtbaren Ergebnissen und das wiederum ist natürlich für einen Ausbildungsleiter ein wichtiges Kriterium bei der Beurteilung einer Weiterbildungsmaßnahme."