Die Idee

Die Idee

Die Einzigartigkeit eines jeden Lebens

Am 22. März 1942 wurden die noch verbliebenen Bewohner des Fürther jüdischen Waisenhauses von den Nazis deportiert und ermordet - der Leiter Dr. Isaac Hallemann, seine Frau, zwei seiner eigenen Töchter, einige Betreuer und alle Waisenkinder - es wird vermutet, dass es 33 Kinder waren. Ihrem Angedenken gilt dieses Tanzprojekt: ihrem Schicksal, ihrem Tod, aber auch ihren kleinen Wünschen und großen Träumen, ihren Hoffnungen, ihrer Liebe.

 

Eine getanzte Geste des Erinnerns, ein Zusammenfinden jenseits aller Grenzen, Länder, Sprachen und Religionen - ein Fest des Lebens.

 

Das Schicksal von Dr. Hallemann und seinen 33 Waisenkindern berührt - sein Mut, obwohl er hätte emigrieren können, mit seiner Familie bei den Kindern zu bleiben. So entstand die Idee für eine Hommage an die Kinder:

 

33 Choreographinnen und Choreographen, in welchem Land oder welcher Region sie auch immer leben und arbeiten, entsenden eine Tänzerin oder einen Tänzer nach Fürth - im Gepäck ein kleines einstudiertes Tanzsolo. Es kann ein Stück einer bereits bestehenden Choreographie sein, es kann etwas Neues, eigens für dieses Projekt geschaffenes sein, es kann auch eine Kreation der Tänzerin oder des Tänzers selbst im Auftrag und mit Widmung des Choreographen sein. Entscheidend ist, dass Choreograph und Tänzer mit diesem kleinen Solo gemeinsam eine symbolische Tanz-Patenschaft für ein Waisenkind übernehmen. Die Gestaltung des Solos ist nahezu völlig frei - gebunden nur an den Gedanken der Erinnerung an ein Kind, dessen Leben gewaltsam beendet wurde, noch bevor es zum Blühen kommen konnte. Wir wissen nicht, was aus jedem einzelnen dieser Waisenkinder geworden wäre, wo es sein Zuhause in der Welt gefunden hätte, wie es gedacht, empfunden und sich bewegt hätte - und die unerschöpflichen Möglichkeiten von Leben sollen der choreographische und ästhetische Leitgedanke des Abends sein. Es soll kein Requiem entstehen, sondern eine lust- und liebevolle Hommage an das gelebte und ungelebte Leben dieser 33 Waisenkinder.

 

Die 33 Tanzsoli, mit denen die Tänzerinnen und Tänzer im November 2007 nach Fürth reisen, sollten eine Dauer von etwa drei Minuten haben und unabhängig von ihrer Ursprungsmusik getanzt werden können, so dass sie sich einweben lassen in eine fließende Gesamtchoreographie, konzipiert und gestaltet von der Choreographin Jutta Czurda.

 

Der Einzigartigkeit jeden Lebens, jeden Waisenkindes und jeden Tänzers entsprechend sollen die Tanzminiaturen von Soloinstrumenten oder/und kleinen Ensemble-Formationen begleitet werden. In den Proben wird jedes Tanzsolo gleichsam in die lebendige Begegnung mit einem oder mehreren Musiker/n gebracht - durch Improvisationen, die auf musikalischen Motiven basieren, wird gemeinsam eine Musik erarbeitet, die mit dem jeweiligen Tanzsolo korrespondiert. Um eine ästhetische Einheit in der Vielfalt zu gewährleisten, um musikalische Überblendungen zu schaffen und um die Idee der Gemeinschaft, des Zusammenlebens, auch orchestral darzustellen, übernimmt der Komponist Gregor Hübner die Musikalische Leitung, wählt die Musiker und die Soloinstrumente aus und komponiert die Musik für den Schluss des Abends: Die einzelnen Tanz- und Musikminiaturen werden in eine größere Partitur und Choreographie integriert, in der der Dialog zwischen Tänzer und Instrument in immer neuen Begegnungen und Konstellationen (Duett, Trio etc.) erweitert wird, um schließlich in einer Coda in ein auskomponiertes und choreographiertes Finale zu münden, in eine Begegnung aller Tänzer und aller Musiker, stellvertretend für die 33 Kinder.