Was ist eine Masque?

Acis, Figurine von Johanna Deffner

Was ist eine Masque?

Das höfische Maskenspiel des 16. und 17. Jahrhunderts

Händels "Acis und Galatea" kommt aus der Tradition der Masque. Mit dieser Gattung bezeichnet man ein höfisches Maskenspiel des 16. und 17. Jahrhunderts. 1718, als "Acis und Galatea" uraufgeführt wurde, war diese Form kaum mehr als in ihren Grundzügen geläufig und dennoch ist sie ein direkter Vorläufer der barocken Oper in England. Mehr noch: die Masque kann als Prototyp englischer Opern bis heute angesehen werden.

 

Ursprünglich kommt sie aus dem französischen ballet de cour, bildete aber in England schon im frühen 16. Jahrhundert eine eigenständige Gattung. Sie vereinte erstmals Dichtung, Musik, Tanz, Kostüm, Bühneneffekte und Architektur und wurde ausschließlich am Hofe von Adligen aufgeführt. Schwerpunkt waren barocke virtuose Gesänge und Tänze mit Pomp und Verkleidung. Das Drama war vom Gesang noch getrennt. Die Instrumentalmusik hatte mehr illustrativen Charakter als Anteil am dramatischen Geschehen. Der Dichter Ben Jonson fügte als Gegensatz zu der höfischen Masque eine so genannte Antimasque ein, eine parodistisch-groteske, oft auch obszöne Darbietung, die ausschließlich von Schauspielern aufgeführt wurde.

Der Aufzug beginnt mit maskierten Darstellern. Darauf folgt ein allegorisches Hauptstück (meist mit mythologischem Inhalt). Es enthält nebeneinander gesprochene Dialoge, Tanzstücke, Chöre (Madrigale), Sololieder, Pantomimen und Airs (Lautenlieder). Den Schlussteil bildet ein Fest oder Ball, bei dem die maskierten Darsteller ihre Partner wählen. Nach der Demaskierung durften die Zuschauer auch den Schlusstanz mittanzen.

 

Wichtige Komponisten der englischen Masque waren die Monteverdi-Schüler Walter Porter und John Blow, die sich schon ab 1610 um die Einführung des typisch italienischen stylo recitativo (also des gesprochenen Gesangs) bemühten. Die Masque näherte sich so immer mehr der Oper an und Mitte des 17. Jahrhunderts ersetzte die Bezeichnung Opera immer häufiger die Masques. Die berühmtesten Dichter der Maskenspiele waren Ben Jonson, John Dryden und James Shirley. Als Bühnenbildner war Inigo Jones sehr angesehen. Er nahm sich die pompösen, bewegbaren Bühnenmaschinerien Italiens und Frankreichs zum Vorbild.

In der Zeit Oliver Cromwells setzte eine restriktive Kultur der Verbote ein. Die Masque verschwand zwar nie ganz, musste aber nach dessen Tode (1658) der aufkommenden Oper Tribut zollen. Als Intermedium und auf dem Feld der volkstümlichen Unterhaltung überlebte die Masque, so dass Händel daran anknüpfte und sie beerbte. Für die geniale produktive Weiterführung und Durchdringung ist "Acis und Galatea" ein signifikantes sowie sicht- und hörbares Zeugnis.