Konzerte, Schlager, Musicals
George Gershwin - Ein Sonderfall der Musikgeschichte
George hatte von Anfang an das Ziel ein großer Komponist der Unterhaltungsmusik zu werden. Als erfolgreicher Komponist sagte er: "Jazz ist Musik; sie verwendet keine anderen Töne als etwa Bach. Jazz hat uns bleibende Werte vermittelt, weil er unsere spezifische Ausdrucksform wurde. Ich glaube, dass er die Grundlage sinfonischer Werke von bleibendem Wert bilden kann." Gershwin wollte also U-Werke mit den Mitteln und Ansprüchen von E-Musik schaffen. Er vermischte die traditionellen Elemente der Klassik mit aktuellen Stilelementen des Jazz und amerikanischen Blues. Er schrieb Schlager, weil er dafür sein ganzes Wissen und Können einsetzen musste, alle Prinzipien und Theorien. Er stellte konsequent künstlerische Ansprüche an eine Musik, in der sonst vordergründig oder ausschließlich der Unterhaltungswert zählte.
Als Gershwin starb, war er der bislang erfolgreichste amerikanische Komponist. Auch in Europa war er bekannt, sogar im Deutschland unter Hitler waren die Werke eines "Juden" sehr beliebt. In den 50ern wurde das "George Gershwin Theatre" in New York City eröffnet, verschiedene Schulen und Universitäten übernahmen den Namen Gershwins ebenfalls. In den 70ern zierte ein Portrait des Komponisten eine Sonderbriefmarke. 1998 wurde ein Gedenkkonzert in London anlässlich seines 100. Geburtstages weltweit übertragen.
George Gershwin war als Komponist ein peinlicher Perfektionist, oft konnte er stundenlang an Kleinigkeiten feilen. Ebenso liebte er das unbekümmerte "Drauflos-Komponieren". Seine Ideen bekam Gershwin meist im Alltag. Seine Songs wurden von berühmten Interpreten wie beispielsweise Ella Fitzgerald aufgenommen und die Filmindustrie griff oft auf seine Musik zurück, so auch im Film zu seinem Stück "An American in Paris", der prompt mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, oder in Disneys "Fantasia". George Gershwin erfand nicht nur zu Lebzeiten eine neue Musikrichtung, sondern er schrieb Melodien, die zu musikalischen Meilensteinen wurden. Er machte den verfeinerten Jazz populär, für ihn verschmolz "ernste"- mit Populärmusik. Namhafte Musiker wie Ravel oder Hindemith folgten seinem Beispiel. Gershwin half mit, eine amerikanische Musikkultur zu schaffen und zu etablieren, die nicht mehr länger die europäische Musik nachahmte.
Seit den 20ern waren in der amerikanischen Musik große Fortschritte spürbar. Als integrationswilliger jüdischer Einwanderer fühlte sich Gershwin besonders von der kulturellen "Melting Pot"-Idee angezogen. Sie diente ihm als Voraussetzung für eine Art von amerikanischer Musik, die ihm vorschwebte: eine Musik, die verschiedene Stile und Traditionen synthetisiert und etwas ganz eigenes daraus schuf. Dieser Stil verschaffte sich weltweite Anerkennung und eindeutig ist, dass Gershwin maßgeblich zu dieser Entwicklung beigetragen hat. Gershwins Berühmtheit lässt sich auf die Dualität seiner Musik zurückführen. Einerseits ist er für seine Konzertkompositionen, andererseits für Schlager und Musicals bekannt. Quasi ein Sonderfall in der Musikgeschichte: aufgrund seiner Zwitterstellung lässt er sich schwer einordnen.
Was Gershwin erreicht hat, ist in der Musikgeschichte ziemlich einzigartig: Mit ein paar wenigen Konzertwerken und einer einzigen Oper konnte er einen besonderen Platz in der Musikgeschichte einnehmen, was keinem anderen Komponisten aus der Unterhaltungsmusik gelungen war. Entscheidend war wohl die durch seine Werke ausgelöste Wirkung, die er durch Melodien und Rhythmus erzielte. Gershwin wollte mit seiner Musik nie nur eine Elite ansprechen, aber auch nicht lediglich unterhalten - schon gar nicht mit seinen Konzertwerken. Bei "Porgy and Bess" konnte er diese Ziele am besten vereinbaren. Gegenwärtig wird Gershwin als einer der wenigen Genies der amerikanischen Musik angesehen.

