Das Interview

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Das Interview

Schauspiel von Theodor Holman und Theo van Gogh
übersetzt und für die Bühne adaptiert von Stephan Lack
Aus krankheitsbedingten Gründen kann das Gastspiel "Die Brüder Grimm" leider nicht stattfinden.
Stattdessen zeigen wir das Schauspiel "Das Interview". Wir bitten um Ihr Verständnis!

Ein Politikredakteur soll einen Fernseh-Soap-Star interviewen, so beginnt der medienkritische Film "Das Interview" von Theo van Gogh. Der niederländische Filmregisseur, Publizist und Satiriker van Gogh ist ein Urgroßneffe des Malers Vincent van Gogh und galt als Enfant terrible seines Heimatlandes. Am 2. November 2004 wurde er vom islamischen Fundamentalisten Mohammed Bouyeri ermordet. Doch sein Geist lebt auch in der Bühnenadaption seines vorletzten Films "Das Interview" weiter.

Die von Stephan Lack erstellte Bühnenfassung wurde 2006 uraufgeführt und führt dem Zuschauer Widersprüche in der Mediengesellschaft vor Augen. Der Politredakteur Pierre Peters ist stocksauer. Das Kabinett droht zurückzutreten und er wird von der Chefredaktion seiner Zeitung zum Fernsehstar Katja Stuurman geschickt, um ein Interview zu machen. Pierre hat keine Fragen vorbereitet. Die attraktive Blondine Katja, die wegen ihres Liebeslebens und ihrer Silikonbrüste Lieblingsopfer der Boulevardpresse ist, fühlt sich von Pierre nicht ernstgenommen.
Doch bald wird aus dem verunglückten Interview ein psychologisches Duell. Katja entpuppt sich als äußerst eloquente und geschickte Gesprächspartnerin des ehemaligen Kriegsberichterstatters, der früher von den Brandherden der Welt - z. B. auch vom Bosnienkrieg - direkt berichtete. Die Duellanten könnten gegensätzlicher nicht sein, sind im kommunikativen Nahkampf aber ebenbürtige Gegner. Dabei werden alle Register gezogen:
Fangfragen, Verstellungen, Gefühlsausbrüche, Provokation, Mitleid, Beichten und Lügen. Als sie beginnen, Geheimnisse aufzudecken und Masken fallen zu lassen, merken beide, dass der Wunsch nach Nähe, Authentizität und Ehrlichkeit in den Medien nicht nur Illusion ist.
Mit der Figur des Kriegsberichterstatters Pierre und dem Kabinettsrücktritt spielt Theo van Gogh auf ein politisches Trauma der Niederlande an: 1995 haben niederländische UN-Soldaten dem Massaker von Srebrenica an mehr als 8.000 Muslimen tatenlos zugesehen. Ein Untersuchungsbericht warf der politischen und militärischen Führung vor, "unbeabsichtigt ethnische Säuberung" unterstützt zu haben. Daraufhin trat die niederländische Regierung
2002 zurück.

"Das Interview" schuf van Gogh zusammen mit Drehbuchautor Theodor Holman. Nach van Goghs Tod gab es eine Adaption für den amerikanischen Markt, die Steve Buscemi 2007 verfilmte. Der junge Wiener Stephan Lack schuf später ein intimes Kammerspiel, das Martin Kusej 2009 im Theater Neumarkt in Zürich erfolgreich auf die Bühne brachte. Seitdem gehört "Das Interview " zu den meistgespielten Zweipersonen-Stücken der Gegenwartsliteratur.

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