Theater Jugend Club
Theater machen, Theater sehen und darüber sprechen gehören in unserem Jugendclub zusammen. Theaterbegeisterte, spielfreudige und zuverlässige junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren können zu Beginn der Spielzeit 2026/2027 wieder in den Theater Jugend Club Fürth einsteigen. Wir freuen uns auf Euch und Eure Lust am Wandel und am Verwandeln, am Ausprobieren und am Experimentieren mit Körper und Stimme!
Junge Menschen aller Nationalitäten mit und ohne Handicaps sind beim Jugendclub herzlich willkom men. Auch wenn ihr noch nicht gut Deutsch könnt, ist das kein Problem. Der Jugendclub ist auch eine ausgezeichnete Möglichkeit, es besser zu lernen!
In der Spielzeit 2026/2027 beschäftigen wir uns voraussichtlich thematisch mit „Nora oder Ein Puppen heim“, was auch im Stadttheater inszeniert wird, und werden unsere eigene Fassung erarbeiten.
Interessierte sind zum ersten Jugendclub-Treffen am Dienstag, 29. September 2026 um 17.00 Uhr im Proberaum des Stadttheaters herzlich eingeladen!
Weitere Informationen zu den Spielclubs geben Euch gerne unsere Theaterpädagog*innen Johannes Beissel und Manuela Neudegger.
Ihr erreicht sie unter theaterpaedagogik@fuerth.de.
Kritiken zu unseren Eigenproduktionen
Die Teilnehmenden unseres Jugendclubs nehmen aktiv Teil am Theatergeschehen, worüber wir uns sehr freuen!
Hier finden Sie Kritiken zu unseren Eigenproduktionen:
Der zerbrochne Krug, April 2026
Am 14.04.2026 durften wir eine bunte und geschmackvoll chaotische Inszenierung von "Der zerbrochne Krug" im Stadttheater Fürth ansehen.
Obwohl wir zugeben müssen, dass wir mit einigen Zweifeln über die Verständlichkeit des Klassikers den Saal betraten, haben wir ihn dennoch beide sehr positiv überrascht wieder verlassen.
Die Handlung wurde immersiv und mit dem gelegentlichen Bruch der vierten Wand auch etwas selbstironisch dargestellt und hat das Publikum zum miträtseln eingeladen.
Während des Stückes ist uns stark das Zusammenspiel von Spezialeffekten und Musik aufgefallen, welches die Entfaltung der Geschichte berreicherte.
Auch das Bühnenbild, welches unter anderem einen Wasserspender (aus welchem sich die Charaktere immer öfter nervös bedienen je weiter die Handlung voranschreitet) und einen Kopierer (der von Adam als Spiegel zur Einschätzung seiner Wunde am Kopf zweckentfremdet wird) beinhaltet, trägt zur seriösen Fassade der Handlung bei, die die am Verbrechen beteiligten versuchen aufrechtzuerhalten.
Die einzigartigen Persönlichkeiten der Charaktere wurden von den Darstellern (unterstützt von bunten Kostümen und sehr guten Perücken) humorvoll, interessant und vor allem lebendig auf der Bühne zur Schau gestellt.
Das Stück ist sowohl für Erwachsene als auch für Jugendliche sehr zu empfehlen. Es spricht wichtige Themen an und zeigt eine Seite der Realität über die zu wenig geredet wird.
Ein großes Lob, an die Schauspieler welche die Rollen super rüber gebracht haben und uns total gecatched haben, aber auch an alle hinter der Bühne, die mitgeholfen haben, das Stück so gut rüber zu bringen.
Es fällt uns schwer negative Punkte zu finden, da wir wirklich von dem Stück nur positiv überrascht waren.
Danke an das Stadttheater Fürth und dem unfassbar kreativem und talentiertem Team hinter "Der zerbrochne Krug".
Edward und Lila aus dem Jugendclub
„So nimm, Gerechtigkeit, denn deinen Lauf!“ Unter diesem Motto steht Heinrich von Kleists Komödie Der zerbrochne Krug. 1808 in Weimar uraufgeführt feierte die Neuinszenierung von Sebastian Sommer und Dramaturgin Anna-Lena Kühner am vergangenen Freitag Premiere im Stadttheater Fürth.
Ein übel zugerichteter Mann steht am Anfang des Stücks: Dorfrichter Adam (Matze Vogel). Sein Kopf hat zwei blutende Wunden und auch das Bein ist nicht unbeschadet davongekommen, doch die Erklärung, die er seinem Schreiber Licht (Boris Keil) dazu gibt, klingt mehr als zweifelhaft. Es bleibt jedoch keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen, denn es ist Gerichtstag und der findet heute unter den Augen von Adams Vorgesetzten, Gerichtsrat Walter (Nicola Lembach), statt. Im Zentrum der Verhandlung: Der zerbrochene Krug von Frau Marthe Rull (Philine Bührer); der Angeklagte: Ruprecht (Matthäus Zaborszyk), der Verlobte ihrer Tochter Eve (Hannah Candolini). Was von außen wie ein simpler Fall wirkt, bereitet dem Dorfrichter sichtlich Probleme. Mehr und mehr wird klar, dass er selbst in den Fall verwickelt ist, bei dem es bald um mehr geht, als einen zerbrochenen Krug.
Ein über 200 Jahre altes Stück zu lesen, ist nicht einfach. Der rhythmische Ton der Dialoge mag noch interessant sein, allerdings wird zumeist so inflationär mit sprachlichen Mitteln gearbeitet, dass man die Handlung geradezu suchen muss. Sommers Inszenierung nun gelingt es, dieses Problem zu umgehen. Mit sinnvollen Änderungen im Text und durch dauerhaft professionelles Schauspiel wird das Stück einerseits moderner, ohne den Ton eines klassischen Theaterstücks zu verlieren, andererseits funktioniert der Humor auf Weisen und in Momenten, die man beim Lesen gar nicht erwartet hätte.
So spaßig das Stück größtenteils daherkommt, so gut gelingt ihm der Übergang hin zum dramatischen Schluss. Als Herz der Geschichte ist Frau Marthe Rulls Tochter Eve zumeist im Hintergrund zu sehen. Sie hat nichts mit dem komödiantischen Teil des Stücks zu tun. Vielmehr schwebt sie als dunkler Vorbote dessen mit, was in der vergangenen Nacht tatsächlich passiert ist. Das gesamte Stück ist vermutlich am witzigsten zu Beginn, doch wenn Adam weg ist und Eve endlich die Wahrheit erzählen kann, kippt es endgültig. Im folgenden, neu hinzugefügten Monolog überzeugt Hannah Candolini als Eve durch einen rasanten Wechsel zwischen Wut, Sarkasmus, Trauer und vielem mehr.
Doch auch das Bühnenbild von Robin Metzer kann überzeugen. Mag man bei dem prominent im Stück eingesetzten Wasserspender, der Glaswand und dem Kopierer dahinter nicht auf den ersten Blick an einen Gerichtssaal denken, so passt die farblose Tristesse und Unschönheit des Bildes gut zu Kleists Werk. Das Gericht ist in Der zerbrochne Krug eben kein schöner Ort, an dem die Gerechtigkeit siegt, sondern einer, der einen alten weißen Mann dazu befähigt Macht zu erlangen, zu missbrauchen und damit durchzukommen. Es ist nicht schön und gepflegt, das Bühnenbild wird im Verlauf verdreckt und zugemüllt und selbst mit der Verhandlung unter Gerichtsrat Walters Kontrolle entkommt Adam am Ende.
Einzig die Übergänge erweisen sich als etwas schwächer. Audio-Visuell ist hier zwar tolles geboten, inhaltlich und stimmungsmäßig gliedert es sich jedoch nicht ganz nahtlos ein. Besonders der Anfang kommt etwas gewagt daher: Mit ruhiger Fahrstuhlmusik beginnend, gibt das Stück seinem Publikum schnell einen Jumpscare, indem statt ruhiger Musik plötzlich harte Kicks und schreiende Synthesizer den Raum erfüllen, während sich die Schauspieler:innen wild hinter der Glasscheibe bewegen. Auch das später wie aus dem Nichts Love Hurts von Cher mit Wind- und Nebelmaschine gecovert wird, fühlt sich inhaltlich gewagt an. Klar, beides erzeugt Aufmerksamkeit und gibt audio-visuell etwas her, doch im Kontext des Stücks funktionieren andere Dinge deutlich besser.
Der zerbrochne Krug passt, wie erschreckend viele klassische Geschichten über Männer, die ihre Macht missbrauchen, in die heutige Zeit. Sommer schafft dahingehend eine gelungene Neuinszenierung.
Jakob Freund aus dem Jugendclub
Istanbul, Juni 2026
Was wäre, wenn das Wirtschaftswunder in der Türkei geschehen wäre und nicht in Deutschland?
Das Theaterstück „Istanbul“ erzählt die Geschichte des deutschen Gastarbeiters Klaus Gruber, der in den 1960er Jahren seine Frau in Deutschland zurücklässt, um in Istanbul zu arbeiten. Dort muss er sich erstmal ohne Sprache zurechtfinden und lernt dort Übersetzer Ismet und Sängerin Ela kennen. Seine Frau Luise kann nun endlich auch zu ihm nach Istanbul ziehen und gemeinsam bekommen sie ihren Sohn Deniz. Während des Stückes sieht man dann, wie Deniz rückblickend die Geschichte seines Vaters versteht.
Folgende Fragen stellen sich: Wie findet man sich in einem Land zurecht, in dem man niemanden kennt und die Sprache nicht spricht? Ab wann ist man zugehörig? Was ist Heimat und kann man vielleicht mehr als eine haben?
Ich finde es macht totalen Spaß, diese Inszenierung anzuschauen. Man sieht berührende Momente zwischen den Charakteren und kann beobachten, wie sich Freundschaften bilden. All das wird begleitet von einer Live-Band und Liedern Sezen Aksus, welche die Stimmungen wunderschön untermalen. An manchen Stellen gibt einem die Soundkulisse fast das Gefühl, man befände sich gerade selbst mitten im Stadtleben Istanbuls.
„Das Verrückteste ist, wie ein Mensch beginnt um Erlaubnis zu bitten, Mensch sein zu dürfen.“ Sätze wie dieser lassen einen nicht nur emotional bewegt die Vorstellung verlassen, sondern bringen einen nachgehend zum Nachdenken.
Ich denke ein Besuch der Inszenierung „Istanbul“ hat für jede Person einen Mehrwert. Sei es die Geschichte, bei der man trotz ihrer Tiefgründigkeit oft lachen kann, die musikalische Begleitung oder deren Kombination.
Jedenfalls bin ich aus dem Theater gegangen mit dem Gefühl jetzt ein Stückchen mehr zu verstehen als davor.
Fenja Beckmann aus dem Jugendclub
